Lehre

TU-WIEN, VISUELLE KULTUR. MODUL 21
Wintersemester 2010, www.visuelle-kultur.net

LVA: 264.012 Architektur- und Bildwelten VO 2.0h
Ort: Seminarraum 2, Institut für Kunst und Gestaltung – TU Wien, Karlsgasse 11, 1040 Wien
Zeit: 5 Blocktermine: jeweils Mo 10-14 Uhr: 11.10.2010, 18.10.2010, 25.10 2010, 06.12.2010 und 13.12.2010

Bildungs-Räume: Effektiv wissensbalanzierend, workloadgerecht und evaluationseuphorisiert folgt die Formation zeitgenössischer Bildungsvorstellungen ökonomischen, neoliberalen Paradigmen. So stellt sich die Frage, wie diese Bildungsideologien kurzfristig und langfristig die Architekturen und die Räume der Bildung selbst transformieren und überformen.

Ob Akademie (dem zum philosophischen Garten transformierten Olivenhain) oder Campus (dem Feld, das Universität, Lehre und Forschung, Wohnraum für Lehrende und Studierende und Grünraum kompakt miteinander verbindet), sind es spezifische, sozialhistorisch begründete und ideengeschichtlich kontextualisierbare Raumformationen, die Bildungsideologien physisch implementieren und transportieren. Proteste und Analysen lassen Bildungsräume in ihren Besetztheiten deutlich werden: Teach-In, Edu-Factory.

Protest-Bewegungen: Ausgehend von der von Eva Egermann und Elke Krasny kuratierten Ausstellung “2 or 3 Things we’ve learned. Intersections of Art, Pedagogy and Protest” wird der Versuch unternommen, eine kritische Raum-Ideengeschichte von Bildungsräumen und ihren Formationsprogrammatiken zu entwickeln.

Künstlerische Projekte, wie “Reformpause” von Marion von Osten oder Positionen, die in dem von Paul O’Neill und Mick Wilson herausgegebenen Band “Curating and the Educational Turn” vertreten sind, werden auf ihre raumwirksamen Strategien und raumanalytischen Interventionen und Überlegungen hin untersucht.

Welche Räume der Bildung stehen für welche Bildungskonzepte und welche Bildungsformationen? Wie drückt das Bildungs-Raumprogramm Programmatiken von Bildung aus und formiert die Bewegungen, die Haltungen und die Bewegungen von Lehre und Lernen mit?

Pausen-Zeichen: Aus den ideengeschichtlichen und kulturanalytischen Untersuchungen der Formationen von Bildungsräumen wird ein Raum extrapolierend herausgeschält, der im Alltag von Lehre und Lernen gleichzeitig die Unterbrechung und die Fortsetzung dieses Alltags bedeutet, der Raum der Pause.

Die Verhältnisse dazwischen sind ambivalent und hybrid. Resträume, wie das Rundum von Kopierern, Kaffeeautomaten oder Aschenbechern, fungieren als angeeignete und selbstorganisierte Begegnungszonen, in denen der Rückzug erprobt wird, neue Ideen produziert werden. Power-Napping wird als leistungssteigernde Zwischenzeit mitgeplant.

Wie lässt sich dieser Raum zwischen informeller Begegnungssituation, persönlichem Rückzug und effizienzsteigernder Erfrischungssituation heute begreifen und entwerferisch als Bildungssituation mit-be-denken?

Ziele der Lehrveranstaltung:

Gruppenthemen zu Fragen von Bild und Architektur sollen ein vertieftes Verständnis zur Interaktion zwischen dem Allgemeinen und dem Spezifischen, dem Theoretischen und Empirischen erzeugen.

Kritische Raumanalysen von “Bildung” und “Pause” in Räumen der Bildung; Verhältnisse zwischen Ideologien, Ideen, Vorstellungen und Werthaltungen von Bildung und von Raumformationen; Bildung als Raumpraxis; die Rolle von Architektur als Erzeugungsmodus sozialer Beziehungen; die Transformation von Raum durch das intervenierende Da-Zwischen: Wie kann dieses transformativ bleiben? Wie kann man neue Pausen-Zeichen Raum werden lassen? Welche Räume der Pause könn(t)en inmitten des neoliberalen Bildungsumbaus im real-baulichen wie gleichzeitig im metaphorisch-ideellen Sinn andere Räume von informeller (Selbst)Bildung entstehen lassen?

Die Lehrveranstaltung verbindet Vorlesung, Diskussion, Ausstellungsbesuch, Exkursionen und Projektpräsentationen der Studierenden und versucht, einen produktiven Wissenstransfer zwischen den räumlichen Alltagserfahrungen der Studierenden, künstlerischen Methoden, kuratorischer Praxis, kulturanalytischer Perspektivierung und neuen raum-bildenden Vorstellungen zu erzeugen.

Kunst und Öffentlichkeit III
LV 060.024, Semesterstunden 6, Wintersemester 2010/11

Kunst Akademie Markt/Markt Kunst Akademie/Akademie Kunst Markt

Die Akademie als Modell der künstlerischen Wissenserzeugung, Wissensrecherche, Wissensproduktion und Wissensdissemination wird in vielen Verfahren künstlerisch eingesetzt respektive appropriiert. Von der kritischen Befragung des Formats Akademie über die spontanistische Aneignung bis zum bewährten Festivalformat reichen die mobilen Akademien oder Night Schools. Das Projekt Kunst und Öffentlichkeit III widmet sich dieses Semester zwei zueinander verknüpften Recherchen, Untersuchungen und Produktionsmodi.
Zum einen wird das Format der Akademie einer künstlerischen Recherche unterzogen. Welche Formen, Methoden, Strategien und Fragestellungen haben (mobile) Akademien entwickelt? Beispiele von Clémentine Deliss, Angelika Nollert, Hannah Hurtzig, Anton Vidokle, Nils Norman, Irit Rogoff und anderen werden recherchiert und untersucht. Zum anderen wird die Frage des Markts als ebenso öffentliche Formation wie die Akademie auf ihre Raumpolitiken und Wirkungsweisen hin untersucht.

Der konkrete Projektraum, in und um den ein künstlerisches Projekt entwickelt und umgesetzt wird, ist der Wiener Naschmarkt. In Anknüpfung an das von Lucia Babina und Henriette Waal begonnenen Projekt Markt Akademie Naschmarkt wird ortsspezifisch und ortsbefragend auf dem Naschmarkt gearbeitet. Wie kann man mit den Mitteln der Akademie in den Markt intervenieren, mit dem Markt arbeiten, auf den Markt gehen?

Die beiden in den Niederlanden arbeitenden und lebenden Künstlerinnen und Kulturproduzentinnen Lucia Babina und Henriette Waal werden die Lehrveranstaltung auch mit Inputs, Reflexion und Kritik begleiten.

„Um dem Risiko wachsender Kommerzialisierung und „Monumentalisierung“ am Wiener Naschmarkt entgegenzuwirken, sind Veränderungen am Markt unablässig. Eine radikale Veränderung bedingt aber auch eine kulturelle „Revolution“, die aus dem Inneren des Marktes selbst kommt – von den Menschen, die dort arbeiten. Diese Menschen sind die „Experten“ für die Gestaltung einer Zukunft ihres Marktes. (…) Mit seinem direkten Engagement will Markt Akademie Naschmarkt Kenntnisse und Wissen über den Naschmarkt weiter ausbauen und neu definieren. Marktwissen selbst soll in Form von Ideen, Produkten und Aktionen eine Debatte über eine Revitalisierung und über die Zukunft des Marktes aktivieren. Die Markt Akademie Naschmarkt ist ein experimentelles Labor für die Entwicklung neuer Praxen.” (Lucia Babina und Henriette Waal)

Ziel: Produktion und Präsentation der künstlerischen Arbeiten; Entwicklung einer Arbeit im Kontext des Agierens im sozialen und öffentlichen Raum mit konkretem Ortsbezug zum Wiener Naschmarkt; Lektüre von theoretischen Texten; Eigene Recherchen; Teilnahme an Exkursionen, Ausstellungsbesuchen sowie intensive individuelle sowie kollektive konzeptuelle Arbeit.

Lehr- und Lernmethode (Vermittlung der Kompetenzen): künstlerische Recherche, Konzeption, Entwicklung, Umsetzung und Organisation eines künstlerischen Projekts, Fragen von Selbst-Organisation; Diskussionen und Feldforschung; Einzelarbeit, intensive Arbeit in der Gruppe

Kunst- und Kulturvermittlung
LV 060.058, Seminar, Semesterstunden 2, Wintersemester 2010/11

Kunst- und Kulturvermittlung setzt sich mit Bedingungen, Möglichkeiten und Bildungsperspektiven kultureller Kommunikation auseinander. Im Zentrum stehen die Relationalität sowie die Transversalität zwischen Kunst, Kultur und Gesellschaft, zwischen dem Persönlichen und dem Politischen, zwischen Subjekten und Orten sowie zwischen Feldern des Wissens.
Die Teilnahme an der Konferenz Frauen:Museum Zwischen Sammlungsstrategie und Sozialer Plattform ist verpflichtend. Aus den drei inhaltlichen Panels der Konferenz (Frauen:Museum Sammlungsstrategien und Interventionen in den Kanon; Frauen:Museum Zwischen Kuratieren und Sozialer Plattform; Frauen:Museum In Geschichte Intervenieren. Frauenmuseum zwischen Sammeln und Bilden) werden die im Seminar gemeinsam zu diskutierenden Fragestellungen entwickelt sowie die Fragen und Themenstellungen für die zu entwickelnde und verfassende Seminararbeit.
Wie werden künstlerische Handlungspraxen, Vermittlungspraxen sowie museale forschende Praxis als Methoden der Bildung produktiv? Wo treffen sich kuratorische Strategien und Handlungspotenziale des Museums als sozialer Plattform?
• Zugänge und Bildungsfragen: Was sind kulturelle Ressourcen?
Kunst- und Kulturvermittlung wird als Frage kultureller, politischer und gesellschaftlicher Partizipation iInterkulturalität, Geschlechtergerechtigkeit, Handlungsfähigkeit sind hiebei zentral.

Ziel (erwartete Lernergebnisse und erworbene Kompetenzen): Bearbeitung einer aus der Konferenz Frauen:Museum Zwischen Sammlungsstrategie und Sozialer Plattform entwickelten Fragestellung respektive Analyse eines selbst gewählten Frauenmuseums. Durch die intensive Auseinandersetzung mit Fragen von Geschlechtergerechtigkeit, Repräsentation, Anteilhabe und gegenhegemonialen Repräsentationen und Vermittlungsstrategien werden Kompetenzen erworben, die es einem ermöglichen, eigenständig Kulturvermittlungsangebote zu konzipieren wie auch Vermittlung im Kontext von kuratorischen Praxen zu denken. Weiters wird das wissenschaftliche Arbeiten/wissenschaftlich-künstlerische Recherchieren durch das Verfassen einer eigenständigen Seminararbeit gefördert.
BesucherInnenangebote und Vermittlung werden in der Lehrveranstaltung gemeinsam Fragestellungen von kultureller Wissensvermittlung und kultureller Wissenserzeugung, von Übersetzungsverfahren zwischen Schule und Museum diskutiert und erarbeitet.

Fachdidaktik Kunst und Öffentlichkeit I (Gesellschaft/Kunst/Gestaltung)
LV 060.080, Seminar, Semesterstunden 2, Wintersemester 2010/11

Die Lehrveranstaltung untersucht praktisch und diskursiv Verhältnisse und Potenziale zwischen Kunst und Öffentlichkeit. Kunst braucht Öffentlichkeit. Braucht Öffentlichkeit Kunst? Der konkrete Lern- und Untersuchungsort dieser Lehrveranstaltung ist das Wiener Stadtentwicklungsgebiet Aspern.

Inhaltliche und theoretische Grundlagen werden durch die Darstellung von Positionen künstlerischer Praxen und Verfahren zwischen Kunst, Gesellschaft und Gestaltung im 20. und 21. Jahrhundert geschaffen. Das konkrete Arbeitsgebiet, das im Semester bearbeitet werden wird, wird durch die Aspern-Exkursion im Austausch mit AkteurInnen wie bildenden KünstlerInnen, PerformerInnen und der AEntwicklungsgesellschaft 3420 3420 aspern development, künstlerisch untersucht und erforscht.

Gemeinsam mit anderen Praktikerinnen und Theoretikerinnen aus dem Feld des aktivistischen, forschenden, untersuchenden, intervenierenden künstlerischen Handelns mit dem öffentlichen Raum der Stadt sowie dem Feld des Symbolischen in der Öffentlichkeit werden Möglichkeiten und Grenzen modellhaften künstlerischen Agierens vorgestellt und diskutiert. Künstlerische Produktionen werden in ihren Methoden und Kollaborationen mit anderen Disziplinen als Herstellung von gegenwärtig erfahrbarem öffentlichem Raum, der sowohl physisch, medial und diskursiv begriffen wird, ist ein Akteur zwischen Geschichte(n), Ökonomie(n) und konkreten Lebensvollzügen exemplarisch vorgestellt. Projektarbeit, künstlerische Recherche, Allianzen, Kooperationen und unterschiedliche Medien werden spezifisch in den einzelnen Kunst- und Forschungszugängen thematisiert, um sie auf ihr praktisches Potenzial für Vermittlungs- und Kulturproduktion kritisch zu aktivieren.

Ziel (erwartete Lernergebnisse und erworbene Kompetenzen): Das Ziel der Seminars, ist die ortsspezifische Wissensproduktion über das Verhältnis von Kunst und Öffentlichkeit, um die Wahrnehmung für das Lokal-Spezifische in den Bedinglichkeiten von Produktions- und Rezeptionsmöglichkeiten zu schärfen. In einer Engführung von Theoriepositionen und Praxisrelationen sowie Theorierelationen und Praxispositionen wird das Stadtentwicklungsgebiet Aspern zum Labor der Untersuchungen. Indem die Studierenden eine Position von Öffentlichkeit einnehmen, die mit anderen Positionen kunsterzeugender oder kunstrezpierendern Öffentlichkeit in Dialog tritt, werden die Eingelassenheiten in Positionen, Relationen und Konstellationen deutlich und die Fragen von Tun, Handeln und Intervenieren werden sich stellen.

Empfohlene Fachliteratur

  • Miwon Kwon: One Place after Another. Site-Specific Art and Locational Identity, MIT Press 2004
  • Grant H. Kester: Conversation Pieces: Community and Communication in Modern Art, University of California Press 2004
  • Gayatri Chakravorty Spivak: Can the Subaltern Speak?, Mit einer Einleitung von Hito Steyerl, turia + kant 2007
  • Blake Stimson and Gregory Sholette (Ed.), The Art of Social Imagination after 1945, University of Minnesota Press, 2007
  • Don Mitchell: The Right to the City: Social Justice and the Fight for Public Space, 2003
  • Thomas Edlinger, Brigitte Franzen und Anja Lungstraß, Wem gehört die Stadt?
  • Wien-Kunst im öffentlichen Raum seit 1968, Wien 2009
  • Bruno Latour, Peter Weibel: Making Things Public, Atmospheres of Democracy, 2005
  • Claire Bishop, The Social Turn: Collaboration and its Discontents, Artforum, February 2006
  • http://hypersea.net/

Kunst und Öffentlichkeit IV (Projektrealisierung)
LV 060.195, Seminar, Semesterstunden 2, Wintersemester 2010/11

Gemeinsame Erarbeitung eines bildungskritschen, historische und zeitgenössische Proteste markierenden, öffentlichen Spaziergangs im Rahmen der Ausstellung Platz Da, die im Architekturzentrum Wien statt findet

Didaktik / Vermittlung – Architektur, Raum, Umwelt
LV 060.274, Seminar, Semesterstunden 2, Wintersemester 2010/11

Die Auseinandersetzung mit Architektur, Raum und Umwelt legt den Fokus in diesem Semester auf drei thematische Schwerpunkte:

  1. Entwurfsdenken als architektonische Wissensproduktion. Ausgehend von Bruno Latours Definition des Kollektiven als Begegnung zwischen Menschlichem und Nicht-Menschlichem wird das Zusammenspiel der Produktionsorte (Architekturateliers, Architekturbüros), der Werkzeuge und der Entwurfsmethoden für die Entwicklung eigener Fragestellungen entwickelt.
  2. Gehen als urbane Wissensproduktion. Vom Flaneur bis zum situationistischen Dérive, von der Spaziergangswissenschaft bis zum Planungsspaziergang, von der Entdeckung des Alltags bei Michel de Certeau bis zu feministischer Raumkritik spielt das Gehen als Praxis der urbanen und künstlerischen Wissensproduktion eine zentrale Rolle.
  3. Fragen von Partizipation, Raumpolitiken und Raumnutzungen im Zusammenhang mit Stadträumen, die von Jugendlichen genutzt, erzeugt, kritisiert werden Inhaltliche Voraussetzungen

Ziel (erwartete Lernergebnisse und erworbene Kompetenzen): Ziel des Seminars ist es, ein analytisches und vermittlungsorientiertes Verständnis für die Relationen von Gesellschaft und Raum, Architektur und Ästhetik im Feld des Urbanen zu gewinnen. In enger Verbindung von urbanistischen Theorien und künstlerischen Praxen werden Arbeitsfelder eröffnet, die Möglichkeiten für das eigenständige forschende Navigieren des Stadtraums eröffnen und aus künstlerischen Praxen modellhaft didaktische Szenarien entwickeln.

Lehr- und Lernmethode (Vermittlung der Kompetenzen):  Das Seminar verbindet eine Reihe unterschiedlicher Lehr- und Lernorte: Ausstellungsbesuche, Stadterkundung, Stadtführung, Atelierbesuch sowie Textlektüren als auch gemeinsame Erarbeitung von Architektur- und Raumvermittlungsaktivitäten

Empfohlene Fachliteratur

  • Michel Foucault: Andere Räume (Vortrag gehalten 1967), in: Aisthesis, Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik, 1990
  • Henri Lefebvre: The social production of space, 1991
  • Doreen Massey: For Space, 2005
  • Jan Gehl: Life Between Buildings: Using Public Space, 1987
  • Elke Krasny, Architekturzentrum Wien: Architektur beginnt im Kopf. The Making of Architecture, 2008

Didaktik im Bereich des Visuellen
LV 060.276, Gestaltungsunterricht, Semesterstunden 2, Wintersemester 2010/11

Der Fokus der Lehrveranstaltung liegt auf der Untersuchung des Visuellen als Matrix von Weltwahrnehmung. Der Fokus der Lehrveranstaltung liegt auf der Untersuchung des Visuellen als Matrix von Weltwahrnehmung. Was ist das Sehen als Tätigkeit? Durch welche Medien wird Sehen konstituiert und konstruiert? Wie beeinflussen Medien Bildregime und Regeln von Sichtbarkeit?

Was wollen Bilder? Was bedeutet Sehen? Was bedeutet Bilderlesen? Durch welche Medien wird visuelle Wahrnehmung konstituiert, konstruiert und transformiert. Wie beeinflussen Medien Bildregime und Regeln von Sichtbarkeit? Dieses Semester werden grundlegende Texte zu Bildtheorie und Bildwissenschaft ausgewählt, durch Studierende vorgestellt, gemeinsam diskutiert und schließlich für die Semesterarbeit verwendet. Die jeweils gewählte Textstelle wird als Methoden begriffen, appropriiert und so transformiert eingesetzt. Jeder ausgewählte theoretische Text wird zum Ausgangspunkt für die Entwicklung einer visuellen Methode, mittels derer Fragen von Didaktik, kritischer Rezeption, Interpretation und Transformierbarkeit erarbeitet werden kann.

Anfang der 1990er Jahre prägte der US amerikanische Kunsthistoriker W.J.T. Mitchell den Begriff des Pictorial Turn, um Formationen des Denkens in Bildern zu untersuchen. Von der Wissenschaft über historische Quellen, von Plakaten im Stadtraum bis zur Selbstdarstellung auf Facebook, sind Bilder Mittel zu Ausdruck, Übersetzung, Kommunikation und Repräsentation. Eine bildkritische Auseinandersetzung fragt nach Grenzen und Möglichkeiten von Bildern.

Darstellungen und Selbstdarstellungen kulminieren in der aktiven Suche nach Images als Identitätskonstruktionsfaktor, die jedoch zunehmend eine Endlosschleife der Permanentrecyclierung von bereits Gesehenem darstellen. Welche Stereotypen, Stigmatisierungen und Vorurteilsreproduktionen über dasselbe Verfahren der Insbildsetzung perpetuiert werden, wird einer dialektischen Befragung von Bildwerdung und Bildtradierung untersucht. Wie lassen sich Appropriation, Umformatierung, Prägung, Zitierung und Intervention im Bereich des Visuellen als didaktische Strategien fruchtbar machen?

Ziel (erwartete Lernergebnisse und erworbene Kompetenzen):  Ziel ist ein kritischer Umgang mit Rezeptions-, Interpretations- und Bearbeitungsverhalten mit dem Visuellen und der Bildproduktion. Aus der Schärfung der Beobachtung für alltagskulturelle Prägungen und Strukturen, können Momente der Aktivierung entstehen. Konzepte wie Prosumerism und visueller kultureller Aktivismus werden vorgestellt, um zu didaktischen Konzepten im Bereich des Visuellen zwischen Aktivität, Aneignung, Gesellschaftskritik und ästhetischer Reflexion zu gelangen.

Lehr- und Lernmethode (Vermittlung der Kompetenzen) Die Lehre verbindet unterschiedliche Lehr- und Lernorte mit gemeinsamen, im Gespräch erarbeiteten Textlektüren sowie praktischen eigens zu entwickelnden, in der Gruppe zu erprobenden künstlerischen Forschungs- und Lehrformaten.

Empfohlene Fachliteratur

  • Guy Debord: Society of the Spectacle, 1967
  • Virilio, Paul: Die Sehmaschine, 1989
  • w.j.t. mitchell: what do pictures want?, 2005
  • Ranciere, Jacques und Gregory Elliott: The Future of the Image, 2007

— Lehrbeauftragte an der Akademie der bildenden Künste Wien, Institut für künstlerisches Lehramt:
WS 2008/2009 und SS 2009 folgende Lehrveranstaltungen:
1) Kunst- und Kulturpädagogik V (Kunst- und Kulturvermittlung)
2) Didaktik/ Vermittlung – Architektur, Raum, Umwelt
3) Didaktik im Bereich des Visuellen
4) Kunst und Öffentlichkeit I (Gesellschaft/Kunst/Gestaltung)
5) Kunst und Öffentlichkeit (gem. mit Eva Egermann Konzeption und Durchführung der sechsstündigen auf künstlerische Praxis abzielenden Lehrveranstaltung “Die KandidatInnen. Standortbestimmung zwischen Kunst und Bildung)

— Stadt. Raum Gender. Lehrveranstaltung am Institut für Geografie im Rahmen der Gender Studies an der Universität Salzburg, Sommersemester 2008

— Lehrbeauftragte für Museumspädagogik an der Akademie der bildenden Künste, seit 2005

— Lehrbeauftragte für Kunst und Kulturpädagogik II an der Akademie der bildenden Künste, seit 2004

— Museum Macht Gender, Theorievorlesung und Praxis-Workshop im Zeughaus Graz, Master-Studiengangs Ausstellungs- und Museumsdesign an der FH Joanneum Graz, Wintersemester 2007/2008

— Gastprofessorin am Institut für Kunstwissenschaft und Kunstpädagogik der Universität Bremen zum Thema „Wege in die Stadt. Urbane Transformationsprozesse und ihre Narrative“ mit dem Fokus der Entwicklung architekturspezifischer und urbanistischer Kulturvermittlungspraxen im öffentlichen Raum, Georg Heinemann Stiftungsdozentur Kunstwissenschaft, 2006

— Referentin ECM Lehrgang (Exhibiton Cultural Management) an der Universität für angewandte Kunst, 2004–2006, Lehre zu künstlerischem Arbeiten am Schnittpunkg von Architektur und öffentlichem Raum

— Betreuung der ECM-Master Thesis von Astrid Fingerlos: Migration ausstellen? Die Ausstellung gastarbajteri. 40 Jahre Arbeitsmigration, 2004

— Lehrbeauftragte am ECM Lehrgang (Exhibition Cultural Management) an der Universität  für angewandte Kunst, 2002–2004, Workshop zum Einsatz von Medien in Museen

— Institut für Kulturwissenschaften (ikw) Wien für postgraduale postgraduale Aus- und Weiterbildungsprogramme für Museums-, Ausstellungs- u. Kommunikations¬kuratorInnen¬Referentin im Bereich Theoretische Museologie / Ausstellungsgeschichte: „Aktuelle Kunsträume in Österreich“, 1997

— Institut für Kulturwissenschaften (ikw) Wien für postgraduale postgraduale Aus- und Weiterbildungsprogramme für Museums-, Ausstellungs- u. Kommunikations¬kuratorInnen¬Referentin im Bereich Theoretische MuseologieAusstellungsgeschichte Das 20er Haus, ein ehemaliger österreichischer Weltausstellungspavillon, 1996

TU-WIEN, VISUELLE KULTUR. MODUL 21
Wintersemester 2009, www.visuelle-kultur.net

Architektur- und Bildwelten: Garden as Community
LVA 264.012

Elke Krasny
Vom Schrebergarten über die von Otto Neurath organisierte Wiener Siedlungsbewegung nach dem Ersten Weltkrieg bis zu den Victory oder War Gardens, vom Community Garden bis zum Guerilla Gardening,vom Nachbarschaftsgarten bis zum interkulturellen Garten, wird das Gärtnerische als eigenständige Praxis einer Raumgenerierungsstrategie, einer Landnahme im urbanen Kontext und eines Antriebs sozialer (Selbst)Organisationsformen, die sich wiederum räumlich ausdrücken, vorgestellt.
In der Verbindung von historischen Linien und Denkfiguren mit aktuellen Entwicklungen werden sich im städtischen Handeln des Gärtnerischen auf der mikropolitischen Ebene die großen Bewegungen und die kollektiven Bildungproduktionen widerspiegeln und so eine Ideengeschichte dieser Formation des Gärtnerischen erzeugen: Krieg, Armut, Körperertüchtigung, Landnahme, Selbstorganisation, Nutzen, Informalität, Schönheit, Freiheit, Nachbarschaftlichkeit, Verantwortung, Verein, Pädagogik, Bottom Up, Top Down, Transversalität, Regeln, Grenzen, Überschreitungen, Illegalität, Partizipation, Globalisierung, Migrationsbewegungen, Kollaboration, Allianzen, Ökologie, Ökoästhetik.
In der Lehrveranstaltung werden internationale Entwicklungen der selbstorganisierten Landnahme und der Auswirkungen dieser informellen Stadterweiterung auf urbane Gefüge und soziale Konstellationen vorgestellt ebenso wie internationale künstlerische und aktivistische Praxen, die das Gärtnerische als kollektivierende und stadtraumtransformierende Langzeitstrategie initiieren, einsetzen, aber auch institutionalisieren.Besuche bei Wiener Projekten und Diskussionen/Präsentationen durch deren AkteurInnen (wie Nachbarschaftsgarten Heigerlein – gartenpolylog, Selbsternte, erster Gemeindebau Nachbarschaftsgarten im Oscar Helmer Hof; Macondo in Simmering). Eine Exkursion nach Macondo/Simmering findet am 11.01 statt.
Ziele der Lehrveranstaltung:
Gruppenthemen zu Fragen von Bild und Architektur sollen ein vertieftes Verständnis zur Interaktion zwischen dem Allgemeinen und dem Spezifischen, dem Theoretischen und Empirischen erzeugen. Das Gärtnerische als kollektivierende und raumaneignende Praxis eröffnet dabei Perspektiven auf landnehmende Raumvorstellungen, Organisationsformen selbstorganisierten Handelns, gouvernmentale Interessen, informellen Urbanismus und die Rolle von Architektur als Erzeugungsmodus sozialer Beziehungen.